China 2002
3 Wochen in den südlichen Provinzen Chinas
  Mit Lutz auf ins Reich der Mitte
  Sonntag, 22.9.2002
Der sechswoechige Aufenthalt in Hongkong ist vorueber, ich fuehle mich
nach diesem Kulturtraining fit genug, fuer einige Zeit den suedlichen Teil Chinas zu
bereisen. Somit gehe ich heute an die letzten Vorbereitungen, das heisst, Rucksack packen, auschecken
im nungewohnten Heim an der suedspitze Kowloons, ein letzter Besuch in der Unibibliothek, den Koffer fuer die naechsten 20 Tage in Sicherheit bringen (Flat 1D) und endgueltig Abschied nehmen von den Freunden und von Hong Kong. Dann kann es losgehen - China, Du kannst kommen!
Um 16:30 fahre ich mit der KCR in Richtung Sheung Shui, Treffpunkt mit Lutz, meinem Reisepartner
fuer die erste Woche, auch aus Deutschland, auch Informatiker. Zusammen dann weiter
zur letzten Haltestelle in der ehemaligen britischen Kolonie, Lo Wu und zu Fuss ueber
die Grenze. Hier sind wir nun also, in Shenzen, der Nachbarstadt Hongkongs und unserem Tor zu China. Baustellen wo
man hinsieht - die Stadt scheint zu boomen. Trotzdem haben wir kein Problem, den
Busbahnhof zu entdecken - es soll so schnell wie moeglich weiter ins Land gehen. Ob wir
wohl den richtigen Bus nach Guangzhou, auch als Kanton bekannt, finden? Das Englisch ist
selbst hier schon auf dem Rueckmarsch, wir muessen chinesische Zeichen vergleichen, um
die Schriften zu entziffern. Trotzdem kein Problem: verschiedene
Buscrews werben uns an - wir entscheiden uns fuer einen Luxusliner, der die Strecke in 2
Stunden zuruecklegt. Dann die Ankunft in Guangzhou - und sofort wird klar: China ist
ANDERS! Anders als Hongkong. Am Bahnofsvorplatz herrscht das Chaos, ueberall
Lastertraeger, die grosse Koerbe an Bambusstangen tragen. Obst, Fleisch aber auch Ziegeln,
Backsteine, Holz. Dann Fahrradfahrer, die irgendwie durch die Massen hindurchmanoevrieren
- Fahhradrikschas, manche wirklich abenteuerlich aussehend. Leute, die auf
Kaesten herumsitzen, oder sind es Gepaeckstuecke? Und dann wird gespuckt, ueberall. Wenn
man es nicht sieht, hoert man es - Vorsicht, wo man hintritt! Von 8 Uhr bis 10 Uhr sind
wir also in Kanton und probieren echtes, chinesisches Essen. Was es ist koennen wir zwar
nicht herausfinden, jedenfalls macht es satt, schmeckt relativ gut und ist guenstig -
ja, richtig guenstig (1-2 Euro fuer 2 Personen)!
Gestaerkt geht es in den Sleeperbus nach Guilin, der uns ueber die Nacht zu diesem
ersten Ausflugsziel bringt. Der Name ist allerdings nicht gerechtfertigt - zum schlafen
komme ich in der unbequemen Sitzposotion kaum. Also Zeit genug, ueber die kommenden
Wochen nachzudenken:
Der Reiseplan sieht einen Besuch in Guilin vor, danach ins schoene Yangshuo zu
den Karstgebirgen und zu den groessten Wasserfaellen Chinas in der Naehe von Huonggoshu.
Wenn die Zeit es noch erlaubt, moechte ich weiter nach Xi'an, wo man vor einigen Jahren
eine Terrakottaarmee gefunden hat. Die uebriggebliebenen Yuan werde ich in Kanton
ausgeben, meinem letzten Reiseziel, einer Metropole am Perlfluss. Das sind meine letzten
Gedankenfuer heute, bevor ich dann doch kurz bei dem eintoenigen Fahrgerausch des
Busses einnicke..
  Montag, 23.9.2002
Es ist 8 Uhr am Morgen als wir in Guilin ankommen, eigentlich sehr frueh, aber die letzten
2 Stunden der Busfahrt kann ich durch die Windschutzscheiben schon eine Menge Radfahrer
auf den Strassen beobachten - in China beginnt der Tag sehr bald. Kaum aus dem Bus
ausgestiegen, das Gepaeck noch nicht mal richtig geschultert, kommt eine
nette Zimmervermittlerin uns entgegen. 120 Yuan, und wir haetten ein geraumiges
Doppelzimmer, zumindest nach dem abgegriffenen Bild zu urteilen, das sie uns
entgegenstreckt. Nein, wir wollen erstmal Richtung Zentrum und unseren Reisefuehrer
studieren - aber die Frau ist recht hartnaeckig. Als sie sich dann mit 80 Yuan begnuegt,
sagen wir zu und lassen uns zum Hotel bringen, wo uns der Eigentuemer schon empfaengt.
Dieser geschaeftstuechtige Mann bietet uns waehrend unseres Aufenthalts oft seine Ausfluege an - auch Zugtickets oder Bootsfahrten koenne er vermitteln, allerdings - was wir recht bald feststellen - zu
ueberhoehten Preisen. Keine weiteren Geschaefte mit uns, aber einige gute Tips gibt uns der Mann dennoch.
Nachdem in meinem Geldbeutel nur noch einige altbekannte Hongkong-Banknoten stecken,
wird es langsam Zeit, Chinesische Waehrung zu besorgen. Auch Lutz, der mir bis jetzt
mit chinesischem Geld ausgeholfen hat, koennte einen Geldautomaten gebrauchen. Wir machen
uns in Richtung Stadtmitte auf, ja, ATMs (Geldautomaten) gibt es schon genug, aber in
China sind diese scheibar standardmaessig ausser Betrieb. Auf der Suche nach Geld finden wir erst
einmal viele Moeglichkeiten, dieses auszugeben: In den Fussgaengertunnels unter den
grossen Kreuzungen der Stadt befinden sich eine Unzahl an kleinen Laeden. Viele wohl
legal, aber bestimmt nicht alle. Hier wird alles verkauft, Kleidung, CDs, VideoCDs und
eine Menge Kleinkram. Man ruft uns Preise hinterher - natuerlich auf chinesisch, und, als
wir voruebergehen, wohl noch andere Sachen, die wir aber nicht verstehen.. Dann doch
noch: eine Filiale der Bank of China, wo wir gegen Lastschrift 1000 Yuan abheben, das
erste chinesiche Geld in meinen Haenden. Die groessten Scheine hier haben den Wert 100,
drueber gibt es nichts. Sehr verwunderlich, wenn man den Betrag in unsere Waehrung
umrechnet: das sind tatsaechlich nur knapp 13 Euro! Und solche Banknoten werden auch nur ungern
angenommen, nach langer, misstrauischer Pruefung gegen das Licht.
Nach dem Mittagessen im Stadtzentrum mit Blick auf eine schoene Pagode, gehen wir entlang der gross angelegten Hauptstrasse in Richtung Parkanlage. Ein
paar Treppen hinauf, und wir stehen auf dem Gipfel eines schoenen Karstberges mit Blick
auf die gesamte Stadt. Am Horizont sind die beruehmten Berge zu erkennen, die diese
Gegend sehenswert machen, dazwischen windet sich der Li River, an dem auch unser
morgiges Tagesziel liegt, Yangzhuo. Die Aussicht macht Appetit auf mehr! Ach so, es ist
natuerlich auch ein kleiner Kiosk oben, dort kaufe ich, genauso wie Lutz, eine Packung
Postkarten, das erste Sounvenir dieser langen Reise.
Wieder unten geht es zu einer Hoehle, Red Flute genannt. Zuerst zu Fuss, dann waehlen
wir doch den bequemeren Weg und steigen in solch eine Motorradrikscha. Viele davon kann man
hier herumfahren sehen - eine klapprige Angelegenheit. Sehr laut, sehr einfach und
ohne Federung, dafuer kommt man guenstig vorwaerts. Dann unter die Erde: Die Hoehle
ist riesengross - aber leicht kuenstlich und bunt beleuchtet. Der Rest ist schnell
erzaehlt: Ein Minibus bringt uns zurueck, nach einem kurzen Einkauf und einem Abendessen,
bei dem wir fuer die Einheimischen Hauptattraktion sind, wird der Tag heute frueh beendet
- schliesslich haben wir noch Schlaf nachzuholen.


  Dienstag, 24.9.2002
Ich wache gegen 10:30 auf. Nach einem laengeren Gespraech mit dem Hoteleigentuemer
(nein,auch heute kaufen wir nichts..) nehmen wir den 12 Uhr Bus nach Yangzhuo, der etwa
1 Stunde unterwegs ist. Der erste Eindruck: dort ist es viel schoener als in Guilin. Die
Berge mitten in der Stadt, viele kleine Laeden, auch Reisebueros - und natuerlich auch
eine Menge Rucksacktouristen. 15 Yuan pro Person wird fuer das schoene und
zentrale Zimmer verlangt, und auch die 2 Touren, die wir gleich an der Rezeption bestellen, sind
rechtguenstig. Fuer Morgen frueh buchen wir einen Bootstrip am Li Jang, und jetzt gleich,
also am Nachmittag, soll es mit dem Fahhrad durch die Landschaften rund um die Stadt gehen. Eine
Einheimische bietet uns eine gefuehrte Tour an, entlang kleiner Baeche,
Feldwege und vorbei an den wunderschoenen Karstbergen. Ich bin mir mit Lutz einig - wir
leihen uns 2 Mountainbikes aus und folgen Helene. Auf dem Weg begegnen uns
Wasserbueffel, eindrucksvolle, friedliche Tiere und weniger friedliche, viel mehr
aufdringliche Touristenjaeger. Sobald wir auch nur fuer ein Foto stehenbleiben, kommen
aeltere Frauen auf uns zu und bedraengen uns mit ihren Hueten, Ketten und Postkarten. Sehr
schwer, sich wieder von denen zu loesen. Nach mehreren Kilometern und schon gegen Abend
steigen wirauf den Moon Hill, einen recht beruehmten und markanten Berg. In seiner Mitte
befindet sich ein grossen Loch, das entfernt an die Vollmondscheibe erinnert. Eine
phantastische Ausssicht von oben, wir geniessen die Umgebung - auch wenn wieder einmal
Frauen uns umzingeln, die ihre ueberteuerten Cola- und Wasserdosen loswerden wollen. Sie
begleitendie Touristen sogar waehrend des Auf- oder Abstiegs, um dann bei Erschoepfung
zuschlagen zu koennen. Mit einigen Yuan weniger in der Tasche besteigen wir wiederum unser
Fahhrad und folgen Helene in ihr Heimatdorf. Wie sie es ankuendigt, sind die Leute dort
sehr arm - einfache Haeuser koennen wir erkennen - mehr eine Mischung zwischen Wohnhaus
und Stall. Viele Schweine gibt es, viele Rinder und viele Bambuswaelder.
Die Staerkung gibt es in Helenes Haus. Sie kocht uns ein leckeres Essen, der
"Speiseraum" ist mit einem schoenen, aber viel zu niedrigen Tisch ausgestattet und
niedrigen Stuehlen - das sind aber auch schon die einzigen Moebel in diesem kahlen Zimmer:
Kein Putz, nur blanker Backstein, viel Staub und ein grosses Mao Bild an der Wand, daneben
einige Landkarten. Nach dem Essen und einem Dorfrundgang machen wir uns im Dunkeln auf den
Weg zurueck nach Yangzhuo, wo wir das Gaestebuch unserer Begleiterin mit einigen
netten Saetzen fuellen und nochmals die Stadt erkunden. Nach einem Bier und einer Runde
Internet (ja, auch das gibt es hier) heisst es Schluss fuer heute.



  Mittwoch, 25.9.2002
Es klopft an der Tuer - es ist 5:30, der Weckdienst war also puenktlich. Noch
im Halbschlaf geht es zum Bus, der uns zu unserem Bootsausflug fahren wird. Um 6 Uhr
beginnt die einstuendige Fahrt - die holprigen Strassen machen mich schnell wach. Bald ist
der LiJang zu sehen, dessen schoensten Abschnitt wir heute abfahren. Wir sehen eine
Menge Wasserbueffel beim morgendlichen Bad, einen Eisvogel und viele Einheimische, die
ihre Kleidung am Fluss waschen. Der Fluss birgt einige Stromschnellen und fliesst
ziemlich rasant - unser altes und einfaches Boot kommt teilweise nur sehr langsam voran.
Auch deswegen dauert unsere Fahrt dauert knapp 2 Stunden. Immer wieder gibt es neue Blicke
auf die wunderschoenen Berge, in deren Vordergrund, am Uferbereich sich in
regelmaessigem Abstand Bambusstauden befinden. Etwas lange dauert die Fahrt allerdings
schon, der Ausflug gestern war abwechslungsreicher, da sind wir uns einig. Gegen mittag
sind wir im Hotel zurueck und beschliessen, das nachste Ziel ins Auge zu fassen - also
zurueck nach Guilin zum grossen Busbahnhof. Waehrend der Fahrt treffen wir 2 Englaender,
die einen guten Tip fuer uns parat haben : Longshen. Genau dorthin, in das Gebiet
schoenster Reisterassen, die auf den Berghaengen angelegt wurden. Ja, Berge - wir
verlassen also die groesseren Staedte, und leider auch die asphaltierten und halbwegs
guten Strassen. Nach einem schnellen Mittagessen zwischen den Busfahrten (nach dem Mahl
waren uebrigens einige Kroeten weniger in den Sichtschalen vor der Garkueche...) und einem
Streitgespraech zwischen unserem Busvermittler und dem Wirt (es ging anscheinend um uns)
bringt uns ein Minibus schnell aus dem Stadtgebiet heraus. Ein paar letzte Blicke auf die
Karstberge, die an uns vorbeihuschen - und dann fallen mir langsam die Augen zu, trotz des
Laermes und des Lebens im Bus...
Ein Rucken geht durch den Minibus - ein Schlagloch auf der Strasse. Strasse kann man
fast nicht mehr sagen, meine mueden Augen erkennen grosse Berge im Hintergrund und
staubige schmale Felswege, wir sind inzwischen in der Naehe von Longshen. Die Fahrt
insgesamt dauert einige Stunden, obwohl es keine grosse Strecke ist. Oftmals kommen
andere Fahrzeuge entgegen, dann ist Geschick gefragt - minutenlanges Manoevrieren um
aneinander vorbeizukommen. Dort, ein BauLKW, wahrscheinlich fuer Schottertransporte - nur
liegt er auf der Seite und blockiert die baufaellige Strasse. Dann wird Longshen erreicht,
eine kleinere Stadt an einem Flusslauf, ich nehme meinen Rucksack und spuere schon, wie
mich eine Hand aus dem Bus zieht - ein Zimmer ? Ja, klar! Nur 40 soll es kosten, fuer
uns beide, und - es ist das schoenste Zimmer bis jetzt, finde ich. Ein grosser Balkon
mit Blick auf den Fluss, der Sonnenuntergang ist ein Erlebnis. Bei einer Portion
Haehnchen, suess-sauer lassen wir den Tag ausklingen

  Donnerstag, 26.9.2002 Pingan


  Freitag, 27.9.2002 Pingan
  Samstag, 28.9.2002 Bus nach Zaoxing
  Sonntag, 29.9.2002 Zaoxing



  Montag, 30.9.2002 Zaoxing Conxiang

  Dienstag, 1.10.2002 Conxiang Kaili
  Kaili1.jpg Anshun
  Donnerstag, 3.10.2002 Huanggoshu




  Freitag, 4.10.2002 Guyang


  Samstag, 5.10.2002 Zug nach Nanning

  Sonntag, 6.10.2002 Behai



  Montag, 7.10.2002 Behai


  Dienstag, 8.10.2002 Kanton


  Mittwoch, 9.10.2002 Kanton



  Donnerstag, 10.10.2002 Kanton
  Freitag, 11.10.2002 Hongkong