Hamburg / Lübeck 2002
Eine Reise in den hohen Norden
  Eine Woche in Hamburg und Umgebung
  Mittwoch, 20.03.2002
Warum nicht einmal eine Gegend bereisen, in der die höchsten Berge um die 100 Meter
messen, in der das Wasser und der Fisch eine entscheidende Rolle spielen und in der sich
das legendäre Tor zur Welt befindet? Auf nach Norden!
Diesmal startete mein Zug zu recht ungewöhnlicher Stunde - 19.30 Uhr ab Nürnberg. Ein
weiter Weg lag vor mir, bis Hamburg, und so griff ich zum Guten-Abend Ticket, um in den
Genuß einer bequemen ICE-Fahrt zu kommen. Fahrt über Hannover - gegen 0.30 Uhr dann am
Hauptbahnhof des Zielortes und mit etwas Glück noch bis 1 Uhr in der Jugendherberge
„Horner Rennbahn“ angekommen. Dort wurde ich in mein Sechserzimmer eingewiesen, in das
erste......
  Donnerstag, 21.03.2002
Das Frühstück hier ist gut, reichhaltiges Buffet. Kurz vor 8 Uhr ging jeweils der Wecker,
und so kam ich jeden Tag gegen 9.30 Uhr aus dem Haus und konnte mir einiges vornehmen.
Heute noch recht schlechtes Wetter, Regen, aber man hat ja vorgesorgt... (nach 2 eher
miesen Tagen war der Rest meines Aufenthaltes sehr schön, kalt zwar, aber wolkenfrei).
Nach einem ersten Spaziergang unterm Regenschirm zwischen Bahnhof und Rathaus wurde ich
dort von einem alten Studenten angesprochen, der eine ziemlich unsinnige Umfrage
veranstaltete (und die Reaktion der Leute dabei beobachtete). Ein interessanteres
Gespräch kam zustande, als ich Richtung Hafen laufend bei den Alsterfleeten eine
Hamburgerin gesetzteren Alters traf. Einmal als Tourist geoutet, schon führte sie mich
durch die Altstadt und zeigte mir die Michaeliskirche, das Wahrzeichen Hamburgs. Einen
informativen Einblick in die Stadtgeschichte Hamburgs, verdeutlicht durch viele
Altstadtmodelle, erlangte ich im Museum für Hamburgische Geschichte - außerdem war es
dort auch wärmer und trockener....
Danach führte mich mein Weg Richtung St. Pauli, die Hafenstraße entlang, an den berühmten
Landungsbrücken vorbei, und dann wieder in die „Gute Stube“ der JH, wo wir uns plötzlich
zu siebt in einem Sechsbettzimmer vorfanden - mein erster Umzug folgte, das neue Zimmer
war dann auch schöner: ein netter Frankfurter (Motorradfahrer), ein Russe, der nichts
Deutsches verstand (dafür aber schnarchte) - alles in allem eine gute Mischung!
Nachts nochmal ein Abstecher zur Binnenalster und an den Hafen - auf Motivsuche für
schöne Fotos.
  Freitag, 22.03.2002
Anschauen wollte ich sie mir schon mal, die hiesige Uni, und so setzte ich mich in die
S-Bahn, einmal quer über den Hafen nach Harburg. Ist ja auch eine Technische Universität,
äußerlich recht schön, Backsteinbau, moderne Bibliothek, Grünanlagen mit Teich. Nach
einer Stunde Besichtigung dann ins Zentrum der früher selbständigen Stadt Harburg. Einem
kurzen Einkaufsbummel folgte die Rückfahrt nach Hamburg, in den Park „Planten und
Bloomen“, der an den alten Befestigungsanlagen liegt. Ein tropisches Gewächshaus lud mich
dort ein und wärmte. Aber der Tag war noch nicht gelaufen: Von St. Pauli aus fuhr ich mit
dem Bus entlang der knapp 10 km langen Prachtstraße Elbchausee, vorbei an großen Villen
mit entsprechendem Fuhrpark und kam schließlich in dem alten Fischerdorf Blankenese an.
Heute lebt dort die Prominenz, was man auch sieht. Von der Elbpromenade führen viele
verwinkelte Treppengassen den Hang hinauf, wie ein kleines Labyrinth. Abgekämpft von dem
langen Fußweg erholte ich mich während einer einstündigen Busfahrt durch die nächstlichen
Außenbezirke und verbrachte den Abend im Zimmer.

  Samstag, 23.03.2002
Heute war der Hafen dran! Aber erstmal durchstöberte ich diverse Souvenirläden zwischen
Rathausmarkt und Elbe, am morgen sogar noch einen Flohmarkt an der Horner Rennbahn. Die
Nikolaikirche, heute nur noch Ruine und Mahnmahl für den Frieden, liefert gute
Fotomotive, denn sie steht inmitten des moderneren Hamburgs mit seinen Glasfronten und
Hochhäusern.
Um 12.30 war es dann soweit. Ich bestieg eine kleine Barkasse, die mich (und natürlich
noch eine Menge anderer Gäste) etwa eine Stunde lang durch Hafen und Speicherstadt führen
sollte. Tolle Eindrücke des riesigen Hafens und der Ufergegend Hamburgs nahm ich mit, um
danach nochmals das ganze Hafengebiet zu Fuß zu erkunden. Ich machte mich also auf den
Weg in die Speicherstadt, besichtigte dort das Gewürzmuseum - ein "Augenschmaus" für die
Geruchssinne - das Speicherstadtmuseum, die tollen Fassaden der alten Lagergebaude, die
Gedenkstatue für Klaus Störtebecker usw..... An dem Nikolaifleet vorbei erreichte ich
wiederum die St. Pauli Landungsbrücken, wo ich Zeit fand, das Museumsschiff Rickmer
Rickmers genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor dann ein Zwischenstopp im Zimmer zur
Erholung nötig war.
Abends aber war ich dann schon wieder aus dem Haus, Richtung Hamburger Dom, dem großen
Frühlingsfest, bei dem an diesem Abend ein Feuerwerk stattfinden sollte. Ich traf einen
Hamburger Hobbyfotografen - genau der Richtige um etwas über Langzeitbelichtungen usw.
fachzusimpeln.
Weitere Motive ergaben sich von der Juhe Stintfang aus (Hafen..) und entlang der
bekannten Straße Reeperbahn.


  Sonntag, 24.03.2002
Vormittags machte ich mich wiederum auf den Weg zu den Landungsbrücken, überhaupt dem
interessantesten Teil der Stadt, tolle, wuchtige Architekturen.. Es war langsam an der
Zeit, mal einen Richtigen Überblick über das Stadtzentrum zu gewinnen, und so stieg ich
gegen 11 Uhr auf den Turm des "Michel", wo sich eine Rundum-Aussichtsplattform befindet.
Noch am Eingang allerdings wurde ich von einem Obdachlosen abgefangen, der mich mit Tips
über seine Stadt versorgen wollte - also wechselte ich ein paar Worte mit dem recht
freundlichen Mann, bevor dann die tollen Blicke sich auftaten. Natuerlich sofort den Foto
gezueckt und ein großes Panoramabild (360 Grad) aufgenommen, daß sich heute noch in einem
2m x 0,5m - Riesenformat in meinem Zimmer befindet und an diese Zeit erinnert.
Hamburg Rotherbaum dürfte jedem etwas sagen - zumindest wegen des berühmten
Tennisturniers. Ich sah sofort, daß auch dieser Stadtteil zu den teuren gehoert. Der
Spaziergang durch die sauberen Strassen, eingegrenzt von weißen Häuserfassaden und noblen
Geschaeften fuehrt mich von dem Villenviertel zum Außenalsterpark. Hier flanieren die
wohlhabenden Buerger - schoen angelegte Gruenflaechen laden ein. In der Naehe befindet
sich die alte Hamburger Uni, auch in historischen Gebäuden.
Einen Stadtpark gibt es hier auch, der ist allerdings noch weiter im Norden Hamburgs und
mein Ziel an diesem Nachmittag. Ich spazierte durch die Alleen zum Zentrum des Parks, wo
sich ein Planetarium befindet. Nach einer interessanten einstuendigen Himmelsshow,
waehrend der ich mich auch wieder von den langen Fußmaerschen erholen konnte, nahm ich
den Bus zurueck zu meiner Jugendherberge, wo wiederum eine Ueberraschung auf mich
wartete: wieder ein Zimmerwechsel, weil die Herbergseltern irgendwie nicht faehig waren,
einen korrekten Plan zu erstellen. Als Entschaedigung bekam ich diesmal fuer den gleichen
Preis ein Doppelzimmer, in der obersten Etage, mit genialem Blick auf die Rennbahn. Meine
Blicke diesen Abend richteten sich aber vorwiegend auf eine Kinoleinwand: "Spy Game",
eine brandneuer Spionagethriller, unterhielt mich an diesem Abend.

  Montag, 25.03.2002
Auf nach Jork! Bei der Bahnauskunft am Hauptbahnhof wurde ich deswegen belächelt. "Da
wollen sie hin?" Scheint ein seltener Wunsch zu sein... Aber der Ausflug lohnt sich:
Altes Land- Schönes Land!! Tolle Dorflandschaften kann ich waehrend der weiteren Busfahrt
durch das Hamburger Umland sehen, Fachwerkhäuser, Deiche, Kanaele, Strohdaecher, grosse
Felder, Obstplantagen. Nach der Ankunft und einer kurzen Besichtigung von Jork machte ich
mich auf den Weg - 10 km Wandern. Es ging hauptsaechlich an der Elbe entlang, manchmal
auf einem Deich. Der kalte Wind bliess mir entgegen und machte es teilweise schwer,
vorwaerts zu kommen. Ja, es war ziemlich kalt, und so war ich froh, in Cranz anzukommen,
von wo aus ich mit der Faehre nach Hamburg zurueckwollte. Allerdings konnte ich lange
warten, es kam keine - dafuer traf ich drei wirklich nette Hamburgerinnen, die scheinbar
die gleichen Plaene hatten und nun auch einen anderen Heimweg finden mussten. Nach einem
kurzen Gespraech geht es fuer mich dann mit Bus und HVV-Fähre zurueck nach St. Pauli,
dort in diverse Souvenirshops entlang des Ufers und zum Fischmarkt. Einen bunten Laden
hab ich mir dort naeher angesehen - er gehoert einem Sammler, der von aller Herren
Laender Gegenstaende und Antiquitaeten zusammentraegt und auf engstem Raum ausstellt.
Interessant, aber leicht verrueckt!
Den Abend verbrachte ich im Einkaufsviertel, der Muenckebergstrasse und kaufte mir einen
Reisefuehrer (Baedeker Deutschland), den ich dann schon mal waehrend des anschliessenden
Abendessens ueberfliegen konnte.

  Lübeck und die Ostsee
  Dienstag, 26.03.2002
Raus aus der Grossstadt, am Morgen verliess ich die Jugendherberge und fuhr mit dem Zug
um 10:10 Uhr in Richtung Lübeck. Kaum angekommen in der einstigen Hauptstadt der Hanse,
machte ich mich auf die Suche nach der dortigen JuHe - und diese war mitten in der
Altstadt. Ich bezog mein Viererzimmer, war dort allerdings der erste Gast - viellecht
bleibt das ja so? Jedenfalls bin ich nun schon auf die Sehenswuerdigkeiten der
historischen Stadt gespannt und mache mich auf die erste Erkundungstour: Vorbei am
Holstentor, an den zahlreichen Kirchen der Stadt, am Rathaus, am Marktplatz... Viele
interessante Motive ergaben sich, viele Fotos damit auch. Grosse Geschaefte befinden sich
auch in naher Umgebung, ich hatte die Moeglichkeit zum Shopping im Karstadt und in
diversen Buchlaeden.
Ja, ich musste erkennen: Lübeck ist kleiner als Hamburg, damit braucht man also auch
nicht mehr als einen Tag, um die Stadt gut zu erkunden. Die Zeit musste ich also etwas
strecken, ich saß einige Zeit vorm Holstentor. Zeit zum Entspannen und zum Nachdenken,
zum Lesen und zum Plaeneschmieden. Das Bild des Tores ist mir auch heute noch sehr
präsent. Doch dann wieder etwas ganz banales - schnell zum Bahnhof und wegen der
Rückfahkarte fragen. Ich kaufte wiederum ein Guten Abend Ticket und hatte Glueck - gerade
noch eines der letzten erwischt! Am Rueckweg, gerade als ich das Monument unseres alten
Kaisers fotografiert hatte, kam ein ebenso nicht gerade jumger Lübecker auf mich zu und
erzaehlte mir von seinen Kriegsabenteuern. Knapp 30 Minuten haben wir uns unterhalten.
Nach dem Abendessen in der Nordsee wurde es schon dunkel - ich nahm meinen Foto, das
Stativ und machte einige tolle Nachtaufnahmen der beleuchteten Bauwerke. Spaeter wollte
ich in ein Kino, der Film "Fahrenheit 401" sollte laufen, wurde dann aber kurzfristig
abgesagt. Was koennte ich als Alternative machen, ach ja - es gab ja das Volksfest in der
Stadt. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass ich wohl der einzige Gast war -
naja, dann eben aufs Zimmer.

  Mittwoch, 27.03.2002
Leider sind viele der Luebecker Museen geschlossen - somit blieben mir fuer heute nicht
viele Moeglichkeiten. Kurz Einkaufen, dann schrieb ich die Postkarten, und dann ein
Besuch auf dem Kirchturm, um die Stadt von oben zu sehen. Wieder machte ich einige gute
Aufnahmen, leider ist das Wetter am Vormittag doch ziemlich dunstig und neblig, was die
Aussicht grau in grau erscheinen laesst.
Der Lübecker Dom bot mir einiges zu sehen - auch die Statue Heinrich des Löwen vor dem
Gebaeude. Die Stadt war ich zu diesem Zeitpunkt bestimmt schon einige Male durchgelaufen,
so gross ist Lübeck eben nicht. Ein Haus war mir dabei schon öfters aufgefallen - bei
genauerem Hinsehen entpuppt es sich als Museum, das Buddenbrockhaus Museum. Tifft sich
gut! Thomas Mann ist in Lübeck geboren und hat dort gelebt, seine Geschichte und seine
Werke sind in diesem Museum ausgestellt. Den Nachmittag verbringe ich in diesem Haus, es
sind echt interessante Ausstellungsstuecke dabei. Rein zufaellig habe ich als
Reiselektuere Manns "Zauberberg" dabei, so ist der Besuch also doppelt lohnenswert.

  Donnerstag, 28.03.2002
Das Zimmer war nun doch voll - vier Leute teilten sich den Raum. Ein Berliner war seit 1
Tag hier, dann ein Winzer aus der Mainzer Gegend, mit dem ich mich sehr gut
unterhielt, und ein aelterer Radfahrer, der den Elberadweg von hier aus bestreiten
wollte.
Ich machte mich heute recht frueh auf den Weg, um wieder etwas Neues zu sehen. Mit dem
Bus erreichte ich Travemünde, das fast mit Lübeck zusammengewachsen ist, allerdings schon
an der Ostsee liegt. Das Wetter war angenehm schoen und sonnig, so lieh ich mir ein Rad
aus und fuhr an der Kueste entlang, nach Norden. Kurze Zeit spaeter kam ich an einem
Vogelpark vorbei und verbrachte dort etwa eine Stunde inmitten exotischer Federtiere.
Immer wieder passierte ich vornehme Kuesten- und Kurorte waehrend meines weiteren Weges,
eine Menge Immobiliengeschaefte und Souvenirlaeden konnte ich sehen. Dann, Timmendorf war
erreicht, etwa 20 Kilometer von Travemuende entfernt. Zeit fuer eine Pause am Strand, ja
am Strand! Das einzig stoerende was die sehr kalte Wassertemperatur, ansonsten koennte
das dem Aussehen nach auch Italien sein... Schoener weisser Sand, ich entspannte eine
knappe Stunde und lass in meinen Reisefuehrern.
Beim Zuruckfahren kaufte ich noch einige Souvenirs, gab das Rad zurueck und kam
spaetabends wieder in meinem "zu Hause" an. Heute Nacht gab es noch in der Lübecker
Marienkirche einen Gedenkgottesdienst, weil der Jahrestag des 1. Bombenabwurfes ueber
Deutschlang im 2. Weltkrieg auf dem Kalender stand. Zusammen mit dem Mainzer (der
uebrigens den Meßwein fuer diesen Abend gespendet hat) besuche ich diese
Gedenkveranstaltung, es ist schon spaet, nach Mitternacht.
nachts mit Mainzer in d. Marienkirche
  Freitag, 29.03.2002
Der letzte Tag brach an - ich packte meinen Koffer fuer die Heimfahrt und ueberlegte mir,
wie ich diesen Tag noch rumbringen koennte. Also nochmals lesen vorm Holstentor, dabei
ein ausgiebiges Sonnenbad. Und noch etwas fuer die Bildung: das Naturkundemuseum.
Um 19 Uhr ging es dann wieder nach Sueden - die Heimfahrt per Nachtzug begann, im
Sechserabteil. Eine meiner Mitreisenden fuhr noch bis nach Wien, zwei andere bis nach
Ungarn, da hatte ich noch eine Kurzstrecke.. Um 2:52 Uhr war ich dann in Nuernberg - die
Heimat hat mich wieder!